Asbestfasern sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Ein grauer Fliesenkleber kann asbestfrei sein, ein harmlos wirkender Spachtel kann Asbest enthalten. Das Umweltbundesamt schätzt, dass in Deutschland zwischen 1950 und 1985 rund 4,4 Millionen Tonnen Asbest in mehr als 3.000 Produkten verarbeitet wurden. Bei so vielen Möglichkeiten hilft nur eine Untersuchung.
Wann eine Materialprobe sinnvoll ist
- vor jeder Renovierung in Gebäuden mit Baubeginn vor dem 31.10.1993, wenn Böden, Wände, Fliesen oder Decken bearbeitet werden sollen,
- vor dem Kauf eines älteren Hauses oder einer Wohnung,
- wenn Sie als Eigentümer nach § 5a Gefahrstoffverordnung dem Handwerksbetrieb Informationen über vermutete Gefahrstoffe geben müssen und unsicher sind,
- wenn ein Material beschädigt ist und Sie wissen wollen, ob Sie handeln müssen.
So läuft die Probe ab
- Vorgespräch: Sie schildern, um welches Bauteil es geht. Fotos und Baujahr helfen bei der Einschätzung, wie viele Proben nötig sind.
- Probenahme: Die Probe wird mit geringer Staubentwicklung entnommen und sofort dicht verpackt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Proben von Fachleuten nach VDI 6202 Blatt 3 nehmen zu lassen, weil schon die Entnahme Fasern freisetzen kann.
- Laboranalyse: Ein Labor untersucht das Material unter dem Mikroskop auf Asbestfasern.
- Befund: Sie erhalten das Ergebnis und eine Erklärung, was es für Ihr Vorhaben bedeutet.
Was der Befund aussagt
| Ergebnis | Was es bedeutet | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| kein Asbest nachgewiesen | Das beprobte Material ist unbedenklich. | Renovierung wie geplant, Befund aufbewahren |
| Asbest, fest gebunden | z. B. Asbestzement, Floor-Flex laut Stadt Nürnberg | intakt lassen oder fachgerecht ausbauen lassen |
| Asbest, schwach gebunden | z. B. Dämmung aus Nachtspeicheröfen, Cushion-Vinyl, Leichtbauplatten | nicht bearbeiten, Sanierung planen |
Wichtig: Ein Befund gilt nur für das untersuchte Material. Ein Boden aus Platten verschiedener Jahrgänge oder mehrere Kleberschichten brauchen unter Umständen mehrere Proben.
Warum Sie die Probe nicht selbst abkratzen sollten
Selbsttests aus dem Internet versprechen schnelle Klarheit. Das Problem ist die Entnahme: Wer mit Schraubenzieher oder Cutter an einer Platte kratzt, setzt genau die Fasern frei, vor denen man sich schützen will. Dazu kommt, dass Laien oft die falsche Schicht erwischen. Beim Fußboden steckt der Asbest zum Beispiel häufig nicht nur in der Platte, sondern im schwarzen Kleber darunter.
Was danach kommt
Ist Asbest nachgewiesen, ist der Befund die Grundlage für alles Weitere: für Ihre Informationspflicht als Veranlasser, für die Sicherheitsberatung und Risikoanalyse, für das Angebot zur fachgerechten Demontage und für die spätere Entsorgung. Was Sie selbst schon vorab erkennen können, erklärt der Ratgeber Asbest erkennen.
Probe und Kaufentscheidung
Viele Anfragen kommen von Käufern, die ein Haus aus den 1960er oder 1970er Jahren besichtigt haben. Eine gezielte Probe vor dem Notartermin schafft Klarheit, ob zum Beispiel der Flurboden, der Fliesenkleber im Bad oder die Fassadenplatten belastet sind. Mit dem Befund lässt sich der Sanierungsaufwand einplanen und in die Preisverhandlung einbringen. Wie Sie dabei vorgehen, beschreibt der Ratgeber Haus mit Asbest kaufen.
Was Sie für die Anfrage bereithalten sollten
Baujahr oder Baubeginn, Fotos der Stellen, ungefähre Fläche, geplantes Vorhaben und Ihre Postleitzahl. So können wir einschätzen, wie viele Proben sinnvoll sind und ob wir die Probe bei einem Termin vor Ort nehmen.
Stand: 3. Oktober 2026 · Verantwortlich: Marc Kamphausen, N.A.S. Noris-Asbest-Sanierung · Quellen siehe unten
Quellen
- Umweltbundesamt: Asbest (Stand 30.07.2024) (abgerufen 03.10.2026)
- Verbraucherzentrale: Asbest, gefährlich und immer noch aktuell (Stand 25.03.2025) (abgerufen 03.10.2026)
- Stadt Nürnberg, Umweltamt: Informationen zu Asbest und asbesthaltigen Materialien (abgerufen 03.10.2026)
- Bundesgesetzblatt 2024 I Nr. 384: Gefahrstoffverordnung, Neufassung (verkündet 04.12.2024) (abgerufen 03.10.2026)

