Wer wissen will, ob in einem Gebäude Asbest stecken kann, fragt zuerst nach dem Baujahr. Das ist richtig, aber nicht die ganze Antwort. Dieser Ratgeber erklärt die Stichtage und zeigt, warum ein altes Haus manchmal weniger und ein jüngeres manchmal mehr Asbest enthält, als man denkt.
Die Stichtage
| Datum | Was gilt | Quelle |
|---|---|---|
| etwa 1930 | Asbest findet zunehmend Verwendung in vielen Produkten | Umweltamt Nürnberg |
| 1950 bis 1985 | rund 4,4 Mio. t Asbest in Deutschland verarbeitet | Umweltbundesamt |
| 01.01.1991 | Herstellung von Asbestzementprodukten nicht mehr erlaubt | Landkreis Nürnberger Land |
| 01.01.1992 | Verwendung von Asbestzementprodukten nicht mehr erlaubt | Landkreis Nürnberger Land |
| 31.10.1993 | Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung von Asbest in Deutschland verboten | Umweltbundesamt |
| 2005 | EU-weites Verbot | Umweltbundesamt |
Die Faustregel der Gefahrstoffverordnung
Die Gefahrstoffverordnung hat das Verbotsdatum in eine praktische Regel übersetzt. Nach § 11a gilt: Wurde mit dem Bau nach dem 31. Oktober 1993 begonnen, kann in der Regel vermutet werden, dass kein Asbest vorhanden ist. Ausnahmen regelt Anhang I Nr. 3.8.
Für die Praxis heißt das:
- Baubeginn vor dem 31.10.1993: Asbest ist möglich. Bei Umbauten muss das berücksichtigt werden.
- Baubeginn nach dem 31.10.1993: In der Regel kein Asbest.
- Baujahr 1993 bis 1996: Hier kommt es auf das Datum des Baubeginns an. Ein Haus, das 1995 fertig wurde, kann noch vor dem Stichtag begonnen worden sein. § 5a verlangt deshalb, dass Eigentümer bei diesen Baujahren das Datum des Baubeginns angeben.
Warum das Baujahr allein nicht reicht
Renovierungen
Ein Gründerzeithaus von 1905 wurde ursprünglich ohne Asbest gebaut. Wenn in den 1970er Jahren aber neue Böden verlegt, Bäder gefliest, Nachtspeicheröfen eingebaut oder Fassaden verkleidet wurden, stecken die asbesthaltigen Baustoffe dieser Zeit im Haus. Für die Einschätzung zählt deshalb nicht nur das Baujahr, sondern auch, wann welche Bauteile eingebaut wurden.
Restbestände
Das Verbot betraf die Verwendung. In der Übergangszeit um 1992 und 1993 wurden in Einzelfällen noch vorhandene Produkte verbaut. Die Ausnahmeregel in Anhang I der Verordnung trägt dem Rechnung.
Nachträglich eingebaute Geräte
Nachtspeicheröfen oder andere Geräte können umgezogen oder gebraucht eingebaut worden sein. Ein Ofen aus den 1970er Jahren kann auch in einem jüngeren Gebäude stehen.
Was die Zahlen für Nürnberg bedeuten
Die Stadt Nürnberg veröffentlicht in ihren Strukturdaten den Wohnungsbestand nach Baualter (Stand 31.12.2021):
| Baualter | Wohnungen | Anteil |
|---|---|---|
| bis 1948 | 66.090 | 22,1 % |
| 1949 bis 1980 | 155.103 | 51,8 % |
| 1981 bis 2008 | 58.254 | 19,4 % |
| 2009 bis 2016 | 11.946 | 4,0 % |
| ab 2017 | 8.257 | 2,8 % |
| gesamt | 299.650 | 100 % |
Die Anteile haben wir aus den Zahlen der Stadt berechnet. Zusammen stehen 73,8 Prozent der Nürnberger Wohnungen in Gebäuden bis Baujahr 1980. Weil die Gruppe 1981 bis 2008 auch die Jahre bis 1993 enthält, ist das eine Untergrenze. Der Anteil der Wohnungen in Gebäuden, bei denen nach Gefahrstoffverordnung mit Asbest gerechnet werden muss, liegt also noch höher.
Die Unterschiede zwischen den Stadtteilen sind groß. In einigen Bezirken stammen über 90 Prozent der Wohnungen aus der Zeit bis 1980, in neueren Wohngebieten deutlich weniger. Beispiele finden Sie auf unseren Seiten zu Stadtteilen wie Langwasser, Gostenhof oder Wetzendorf.
Beispiele aus der Praxis
- Reihenhaus, Baujahr 1968: Baubeginn vor 1993, Asbest an Dach, Fassade, Böden und Fensterbänken möglich. Vor dem Bodenwechsel Probe von Belag und Kleber.
- Mehrfamilienhaus, Baujahr 1995, Baubeginn 1993: Baubeginn klären. Lag er vor dem 31.10.1993, gilt die Vermutung der Asbestfreiheit nicht.
- Altbau von 1910, saniert 1975: Ursprüngliche Bauteile meist ohne Asbest, Einbauten von 1975 aber verdächtig.
Auf eine Jahrestabelle einzelner Produkte verzichten wir bewusst, weil die Angaben dazu stark schwanken. Belegt ist: Asbestzement wie Wellplatten und Fassadenplatten durfte bis Ende 1991 verwendet werden, alle anderen Asbestprodukte bis zum 31.10.1993. Wann ein bestimmter Bodenbelag oder Kleber verlegt wurde, lässt sich am besten über Rechnungen, Erzählungen von Vorbesitzern oder eine Probe klären.
Woher Sie das Baujahr erfahren
Wenn Sie das Baujahr nicht kennen, helfen diese Quellen: Kaufvertrag, Grundbuchauszug mit Hinweisen auf die Bebauung, Bauakte beim Bauordnungsamt, Teilungserklärung bei Eigentumswohnungen, Energieausweis, alte Versicherungsunterlagen und Nachbarn, die die Bauzeit miterlebt haben. Bei Mietwohnungen kann der Vermieter Auskunft geben.
So nutzen Sie das Baujahr richtig
- Baujahr und, bei 1993 bis 1996, Baubeginn klären. Beides steht oft in Bauakte, Kaufvertrag oder Teilungserklärung.
- Renovierungen zwischen den 1950er Jahren und 1993 auflisten.
- Verdachtsstellen notieren, zum Beispiel mit unserem Asbest-Check.
- Vor Umbauten an diesen Stellen eine Materialprobe nehmen lassen.
- Die Informationen an die beauftragten Handwerker weitergeben, wie es § 5a Gefahrstoffverordnung verlangt.
Was das für Sie in Nürnberg heißt
Bei drei von vier Nürnberger Wohnungen spricht das Baujahr dafür, bei Umbauten an Asbest zu denken. Das ist kein Grund zur Panik, denn intakter, fest gebundener Asbest ist im Alltag kein Problem. Es ist aber ein guter Grund, vor dem nächsten Umbau kurz zu prüfen, was im Boden, an der Wand oder auf dem Dach steckt. Wenn Sie Ihr Baujahr kennen und wissen, welche Bauteile Sie verändern wollen, sagen wir Ihnen am Telefon, ob und wo eine Probe sinnvoll ist.
Stand: 3. Oktober 2026 · Verantwortlich: Marc Kamphausen, N.A.S. Noris-Asbest-Sanierung · Quellen siehe unten
Quellen
- Umweltbundesamt: Asbest (Stand 30.07.2024) (abgerufen 03.10.2026)
- Stadt Nürnberg, Umweltamt: Informationen zu Asbest und asbesthaltigen Materialien (abgerufen 03.10.2026)
- Landkreis Nürnberger Land: Merkblatt Entsorgung von Asbest (Stand April 2026) (abgerufen 03.10.2026)
- Bundesgesetzblatt 2024 I Nr. 384: Gefahrstoffverordnung, Neufassung (verkündet 04.12.2024) (abgerufen 03.10.2026)
- Stadt Nürnberg, Statistik: Innergebietliche Strukturdaten Nürnberg 2022, Wohnungs- und Gebäudebestand (Stand 31.12.2021) (abgerufen 03.10.2026)

