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Asbestprobe nehmen lassen: Wie läuft die Probe ab und was macht das Labor?

Ob ein Material Asbest enthält, zeigt nur eine Laboranalyse. Hier lesen Sie, wie die Probe genommen wird, welche Verfahren das Labor nutzt und was den Befund aussagekräftig macht.

Eine Asbestprobe ist ein kleines Stück des verdächtigen Materials, das staubarm entnommen, dicht verpackt und in einem Labor untersucht wird. Laut Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) ist die Standardmethode dafür die Rasterelektronenmikroskopie mit energiedispersiver Röntgenanalyse, kurz REM/EDX, beschrieben in der Richtlinie VDI 3866 Blatt 5. Für die Bestätigung, ob ein Bauteil asbesthaltig ist, genügen laut LAGA wenige Gramm. Bis zum Ergebnis vergehen je nach Labor nach Angaben von Anbietern bis zu rund zwei Wochen.

Wann eine Probe überhaupt sinnvoll ist und welche Bauteile verdächtig sind, steht im Ratgeber Asbest erkennen. Hier geht es um den Weg vom Verdacht zum Befund.

Warum Sie nichts selbst abbrechen sollten

Die Probenahme ist der heikelste Moment der ganzen Untersuchung. Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) schreibt, dass unsachgemäßes Vorgehen bei der Probenahme „sehr viele Fasern freisetzen“ kann. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, Probenahme und Analyse ausschließlich fachkundigen Personen zu überlassen, und nennt dafür die Richtlinie VDI 6202 Blatt 3.

Wer trotzdem selbst eine Probe nimmt, sollte sich laut LfU mindestens an diese Regeln halten:

  • Staub unbedingt vermeiden, die Entnahmestelle vorher mit Wasser und etwas Spülmittel befeuchten.
  • Möglichst ein loses Stück nehmen. Fingernagel bis Briefmarkengröße genügt.
  • Auf keinen Fall bohren, sägen oder fräsen.
  • Die Probe dicht verpacken, etwa in einer kleinen, fest schließenden Dose.
  • Die Dose mit Name, Datum und Entnahmeort beschriften.

Kritisch wird es bei Material, das schon beim Anfassen bröselt, bei Nachtspeicheröfen und bei allem, was hinter Verkleidungen liegt. Wer dort eine Probe herausbricht, setzt im ungünstigsten Fall genau die Fasern frei, vor denen die Untersuchung schützen soll. Bei Spachtel, Putz und Fliesenkleber kommt hinzu, dass mehrere Schichten übereinander liegen können. Eine Probe, die alle Schichten vermischt, ist schwer zu deuten.

Wie eine fachgerechte Probenahme abläuft

Bei einer Probenahme durch Fachleute wird zuerst festgelegt, welche Bauteile überhaupt beprobt werden. Die Richtlinie VDI 6202 Blatt 3 beschreibt laut LAGA Untersuchungsstrategien und die Erstellung von Probenahmeplänen. Die Zahl der Proben richtet sich danach, wie sicher die Aussage sein soll. Die LAGA empfiehlt eine Aussagesicherheit von mindestens 95 Prozent.

In der Praxis heißt das:

  1. Bestandsaufnahme: Welche Bauteile sind verdächtig, welche sind gleichartig? Gleichartige Bauteile aus derselben Bauzeit lassen sich oft gemeinsam beurteilen, ein Boden mit zwei verschiedenen Plattenmustern braucht dagegen mindestens zwei Proben.
  2. Entnahme: Die Stelle wird befeuchtet, eine kleine Menge wird mit Handwerkzeug entnommen, bei Bodenbelägen möglichst mit dem Kleber darunter, bei Spachtel und Putz nach Schichten getrennt.
  3. Sicherung der Stelle: Die Entnahmestelle wird abgedeckt oder versiegelt, damit dort nichts weiter ausbröselt.
  4. Verpackung und Beschriftung: Jede Probe kommt einzeln in ein dichtes Gefäß, mit Nummer, Ort und Foto der Entnahmestelle.
  5. Auftrag ans Labor: Mit Angabe, welches Material es ist und welche Frage beantwortet werden soll.

Unter Asbestidentifizierung und Materialprobe beschreiben wir, wie wir das bei Ihnen vor Ort machen.

Was im Labor passiert

REM/EDX nach VDI 3866 Blatt 5

Beim Rasterelektronenmikroskop wird die Probe mit einem Elektronenstrahl abgetastet. Fasern werden stark vergrößert sichtbar, und die energiedispersive Röntgenanalyse zeigt, aus welchen Elementen eine Faser besteht. So lassen sich laut LAGA auch die Asbestarten unterscheiden, etwa Chrysotil oder Tremolit.

Die methodenspezifische Nachweisgrenze liegt laut LAGA bei 1 Massenprozent. Das reicht für Asbestzement, der laut LfU 10 bis 15 Prozent Asbest enthält. Auch das LfU schreibt, dass für Fassadenplatten oder Blumenkästen eine Messgenauigkeit von einem Prozent ausreicht.

Das erweiterte Verfahren für Putz, Spachtel und Kleber

In Putzen, Spachtelmassen, Fliesenklebern und Kitten steckt Asbest oft nur in geringen Mengen. Für diese Fälle beschreibt Anhang B der VDI 3866 Blatt 5 laut LAGA zusätzliche Aufbereitungsschritte, mit denen eine Nachweisgrenze in der Größenordnung von 0,001 Massenprozent erreicht wird. Wenn Sie ein Bad oder einen Wandputz untersuchen lassen, fragen Sie deshalb nach, ob das Labor dieses erweiterte Verfahren anwendet. Mehr zu diesem Thema im Ratgeber Asbest im Fliesenkleber.

Lichtmikroskopische Verfahren

Daneben gibt es lichtmikroskopische Verfahren. Die VDI 3866 Blatt 4 beschreibt ein Phasenkontrastverfahren mit einer Nachweisgrenze von 1 Prozent. In den USA beschreibt das Arbeitsschutzinstitut NIOSH die Polarisationsmikroskopie als Methode 9002. Sie erkennt laut NIOSH keine Fasern, die feiner als die Auflösung des Lichtmikroskops von etwa 0,3 Mikrometern sind. Die LAGA schreibt, dass Infrarotspektroskopie, Röntgendiffraktometrie und Phasenkontrastmikroskopie wegen mangelnder Spezifität und Empfindlichkeit für Abfalluntersuchungen nicht mehr verwendet werden. Auch handgehaltene Infrarotgeräte ersetzen laut LAGA nicht die REM-Analyse, wenn ein Material als asbestfrei gelten soll.

Wie Sie den Befund lesen

Ein Laborbefund nennt in der Regel die Probennummer, das untersuchte Material, das Verfahren und das Ergebnis. Typische Angaben:

Angabe im BefundBedeutung
Asbest nicht nachgewiesenim untersuchten Material unterhalb der Nachweisgrenze des Verfahrens
Chrysotil nachgewiesen, Gehalt geschätztdas Material ist asbesthaltig, der Gehalt ist eine Schätzung
Gehalt kleiner 0,005 Massenprozentlaut LAGA bei fachgerechter Probenahme in der Regel Spurenverunreinigung, kein technisch zugesetzter Asbest

Für die Entsorgung ist eine Grenze wichtig: Ab einem Asbestgehalt von 0,1 Massenprozent gelten Abfälle laut LAGA als gefährlich. Ein Befund sagt außerdem immer nur etwas über die beprobte Stelle. Ein zweiter Boden in einem anderen Raum kann anders aufgebaut sein.

Wie lange es dauert

Die Dauer hängt vom Labor und vom gewählten Verfahren ab. Zwei Anbieter, die Probensets für Privatkunden verschicken, nennen auf ihren Websites (abgerufen am 05.10.2026) „maximal 10 Tage“ beziehungsweise „10 bis 14 Tage“ nach Probeneingang. Dazu kommen Postlaufzeiten. Ob eine schnellere Bearbeitung möglich ist und was sie kostet, erfahren Sie beim jeweiligen Labor. Wie sich die Laborzeit in den gesamten Zeitplan einer Sanierung einfügt, steht im Ratgeber Wie lange dauert eine Asbestsanierung?.

Wovon die Kosten abhängen

Die Kosten einer Asbestuntersuchung setzen sich aus mehreren Teilen zusammen:

  • Anzahl der Proben: Jede Probe wird einzeln berechnet.
  • Verfahren: Das erweiterte Verfahren für Putz, Spachtel und Kleber ist aufwendiger als der einfache Nachweis in Asbestzement.
  • Bearbeitungszeit: Bietet das Labor eine schnellere Bearbeitung an, kann sie mehr kosten.
  • Probenahme: Ob Sie die Probe selbst einschicken oder eine Fachkraft vor Ort entnimmt, macht einen Unterschied, ebenso Anfahrt und Dokumentation.

Zur Orientierung: Die beiden genannten Anbieter von Probensets nennen auf ihren Websites 69 Euro je Materialanalyse inklusive Mehrwertsteuer (laboranalyse24.de und umweltanalyse-direkt.de, abgerufen am 05.10.2026). Darin ist keine Probenahme vor Ort enthalten. Für eine Probenahme durch Fachleute, mehrere Proben oder das erweiterte Verfahren gelten andere Preise.

Was nach dem Befund kommt

Ist das Material asbestfrei, können Sie wie geplant renovieren. Bewahren Sie den Befund auf, denn nach § 5a Gefahrstoffverordnung müssen Sie als Veranlasser Informationen über vermutete Gefahrstoffe an die ausführenden Firmen weitergeben. Ein Befund ist dafür die beste Grundlage. Mehr dazu im Ratgeber Gefahrstoffverordnung: Pflichten bei Asbest.

Ist das Material asbesthaltig, stellt sich die Frage, ob es bleiben kann oder entfernt werden muss. Eine erste Einordnung gibt der Ratgeber Asbest im Haus: wie gefährlich?. Für die Planung der Arbeiten hilft unsere Sicherheitsberatung und Risikoanalyse.

Wenn Sie unsicher sind, ob und wo eine Probe sinnvoll ist, rufen Sie uns an oder schildern Sie Ihr Vorhaben über das Anfrageformular.

Sie haben einen konkreten Verdacht?

Schicken Sie uns Baujahr, Bauteil, ungefähre Fläche und gern ein paar Fotos. Sie erhalten eine Einschätzung und den nächsten Schritt, ohne Verpflichtung.

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Stand: 5. Oktober 2026 · Verantwortlich: Marc Kamphausen, N.A.S. Noris-Asbest-Sanierung · Quellen siehe unten

Quellen

  1. Bayerisches Landesamt für Umwelt: UmweltWissen Asbest (Stand April 2018) (abgerufen 05.10.2026)
  2. LAGA: Untersuchungs- und Analysenstrategien für asbestverdächtige Materialien und Abfälle (Stand 10/2024) (abgerufen 05.10.2026)
  3. VDI: VDI 3866 Blatt 5, Bestimmung von Asbest in technischen Produkten, Rasterelektronenmikroskopisches Verfahren (abgerufen 05.10.2026)
  4. VDI: VDI 3866 Blatt 4, Phasenkontrastmikroskopisches Verfahren (abgerufen 05.10.2026)
  5. NIOSH: Manual of Analytical Methods, Method 9002 Asbestos (bulk) by PLM (abgerufen 05.10.2026)
  6. Verbraucherzentrale: Asbest, gefährlich und immer noch aktuell (Stand 25.03.2025) (abgerufen 05.10.2026)
  7. laboranalyse24.de: Asbest-Analyse (Preis und Bearbeitungszeit) (abgerufen 05.10.2026)
  8. umweltanalyse-direkt.de: Asbest-Test (Preis und Bearbeitungszeit) (abgerufen 05.10.2026)

FAQ

Häufige Fragen

Kann ich eine Asbestprobe selbst nehmen?

Das LfU Bayern beschreibt, wie es staubarm geht: Stelle befeuchten, ein loses Stück in Fingernagel- bis Briefmarkengröße nehmen, nicht bohren oder sägen, dicht verpacken. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dagegen, Probenahme und Analyse Fachleuten zu überlassen, weil schon bei der Entnahme Fasern frei werden können. Bei bröseligem Material und Nachtspeicheröfen sollten Sie es nicht selbst versuchen.

Wie lange dauert eine Asbestanalyse im Labor?

Das hängt vom Labor ab. Zwei Anbieter von Probensets nennen maximal 10 Tage beziehungsweise 10 bis 14 Tage nach Probeneingang (abgerufen am 05.10.2026). Ob eine schnellere Bearbeitung möglich ist, erfahren Sie beim Labor.

Welches Analyseverfahren ist das richtige?

Laut LAGA ist die Rasterelektronenmikroskopie mit EDX nach VDI 3866 Blatt 5 die Standardmethode. Für Putz, Spachtel, Fliesenkleber und Kitte mit geringen Asbestgehalten gibt es ein erweitertes Verfahren nach Anhang B dieser Richtlinie.

Was bedeutet „Asbest nicht nachgewiesen“?

Im untersuchten Stück lag der Asbestgehalt unterhalb der Nachweisgrenze des Verfahrens. Der Befund gilt nur für die beprobte Stelle. Andere Räume oder Schichten können anders aufgebaut sein.

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Rufen Sie uns an oder schildern Sie Ihr Vorhaben kurz schriftlich. Wir melden uns mit einer Einschätzung und dem nächsten Schritt.